105 Stadtgarten Bank
Stadtgarten, Winterthur, Schweiz
2024 - 2026
105_StaGa_Bänke_Herstellung_VID_16-9_260410
Projekt
Konzept und Weiterentwicklung eines historischen Bestands
Der Stadtgarten Winterthur ist eine zentrale öffentliche Grünanlage mit hoher historischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Seit 2024 wird die Anlage schrittweise saniert, um Aufenthaltsqualität, ökologische Vielfalt und Infrastruktur an heutige Anforderungen anzupassen. Die Fertigstellung der Gesamtanlage ist für Herbst 2026 vorgesehen.
Im Zuge der Arbeiten wurden auch die Parkbänke im Stadtgarten Winterthur neu gedacht. Ziel war es, die unterschiedlichen historischen Schichten des Parks zu respektieren und gleichzeitig Sitzmöbel bereitzustellen, die heutigen Anforderungen an Nutzung, Zugänglichkeit und Unterhalt entsprechen.
Entstanden ist ein Ensemble aus drei Banktypen:
– die sanierte Bestandsbank aus den 1950er-Jahren
– die restaurierte historische Steinbank
– eine neu entwickelte Stadtgartenbank
Alle drei Typen greifen vorhandene Elemente des Parks auf und fügen sich gestalterisch zurückhaltend in das Umfeld aus Kandelabern, Skulpturen und Brunnen ein. So entsteht ein ruhiges Ensemble aus historischen und neuen Elementen, das den Stadtgarten weiterentwickelt, ohne seinen Charakter zu verändern.
Sanierung der Bestandsbänke aus den 1950er-Jahren
Im ersten Bauabschnitt wurden rund dreissig Parkbänke aus den 1950er-Jahren instandgesetzt. Die charakteristischen Stahlbügel wurden abgebeizt, neu feuerverzinkt und dunkel gefasst. Die dunkle Oberfläche nimmt Bezug auf die historischen Kandelaber und integriert die Bänke zurückhaltend in den Parkraum.
Die ursprüngliche Sitzhöhe von rund 43 cm erschwerte insbesondere älteren Menschen das Aufstehen. Im Zuge der Sanierung wurde die Sitzhöhe auf 46 cm angepasst und der Sitzwinkel leicht geöffnet. Dadurch verbessert sich die Ergonomie, ohne den charakteristischen Ausdruck der Bank zu verändern.
Ergänzend erhielten die Bänke Armlehnen sowie eine vordere Blindentraverse. Diese ist mit dem Blindenstock ertastbar und erleichtert sehbehinderten Menschen die Orientierung im Park. Gleichzeitig bleibt die konstruktive Logik der Bank erhalten: Die gesamte Sitzschale ist weiterhin abnehmbar, sodass einzelne Bauteile im Unterhalt unkompliziert ersetzt werden können.
Restaurierung der historischen Steinbänke
Neben den Stahlbänken wurden auch drei historische Steinbänke restauriert. Sie bilden gemeinsam mit dem Brunnen ein denkmalpflegerisch relevantes Ensemble im Stadtgarten.
Die massiven Muschelkalkwangen wurden gereinigt, sandgestrahlt und punktuell ergänzt. Die neue Holzlattung folgt der vorhandenen Geometrie des Steins und versteht sich als verbindendes Element zwischen den beiden Steinblöcken. Holz und Stein bilden zusammen eine konstruktive und gestalterische Einheit.
Die Sitzhöhe wurde ebenfalls auf 46 cm angepasst, wodurch die Steinsockel stärker aus dem Boden heraus treten und die Bank insgesamt ruhiger und klarer wirkt. Das konstruktive Prinzip der historischen Bank – Holz liegt auf Stein – bleibt weiterhin ablesbar und ermöglicht gleichzeitig eine einfache Wartung.
Entwicklung der neuen Stadtgartenbank
Ergänzend zu den sanierten Bestandsbänken wurde eine neue Stadtgartenbank entwickelt. Sie orientiert sich an vorhandenen Objekten im Park und übersetzt deren Details in eine reduzierte, zeitgenössische Form.
Die figürlich ausgearbeitete Bank nimmt Bezug auf die skulpturalen Elemente des Stadtgartens und auf die alte Bank vor dem Kunstmuseum. Breitere Holzlatten und eine grössere Sitztiefe orientieren sich an klassischen Banktypologien und verleihen der Bank eine ruhige, horizontale Erscheinung.
Gleichzeitig übernimmt die neue Bank das Raster der bestehenden Fundamente. Länge und Fussabstände entsprechen dem Bestand, sodass die Bank direkt auf vorhandene Sockel gesetzt werden kann. Der obere Teil der Bank bleibt vollständig abnehmbar, was Wartung und Reparatur erheblich erleichtert.
Team
Bauherrschaft
Stadtgrün Winterthur
Design Bänke
Winfried Schneider
Ausführende Firmen
Burri public elements ag
Görner AG Steinkonservierung & Bauwerkserhaltung
Hofmann Gruppe AG
Konzept & Prozess
Ein zentrales Thema der Entwicklung war der Materialkreislauf. Die bisherigen grau gestrichenen Holzlatten der Bestandsbänke wurden durch naturbelassene Lärche ersetzt. Das Holz ist langlebig, witterungsbeständig und kann am Ende seines Lebenszyklus sortenrein wiederverwertet oder kompostiert werden.Verschiedene Oberflächenbehandlungen – darunter Tung- und Leinöl sowie pigmentierte Beschichtungen – wurden untersucht, konnten jedoch weder den gewünschten Komfort noch eine langfristig wartungsarme Lösung bieten.Auch beim Stahl wurden unterschiedliche Optionen geprüft. Neben der gewählten verzinkten Konstruktion wurde ein dunkler, brünierter Edelstahl getestet, der sich gestalterisch an den gusseisernen Kandelabern des Parks orientiert. Aufgrund begrenzter Bauteilgrössen und höherer Kosten erwies sich diese Variante jedoch als nicht wirtschaftlich.Die Kombination aus verzinktem Stahl und naturbelassener Lärche ermöglicht eine robuste Konstruktion, einfache Wartung und einen klar nachvollziehbaren Materialkreislauf.
Prozess und Dokumentation
Die Entwicklung der neuen und sanierten Parkbänke wurde über den gesamten Entwurfs- und Herstellungsprozess hinweg dokumentiert. Historische Recherchen, Materialtests und mehrere Prototypen bildeten die Grundlage für die gestalterischen und konstruktiven Entscheidungen.Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich bestehende Strukturen im öffentlichen Raum weiterbauen lassen: Welche Elemente prägen den Ort, welche Details lassen sich aufnehmen und wie können Konstruktionen so gestaltet werden, dass sie langfristig reparierbar bleiben.Die begleitende Projektbroschüre dokumentiert diesen Prozess – von der Analyse des Stadtgartens über die Untersuchung verschiedener Banktypen bis zur Entwicklung der neuen Stadtgartenbank und zur Restaurierung der historischen Steinbänke.Sie zeigt Entwurfsvarianten, Prototypen, Materialtests sowie die konstruktiven Prinzipien der neuen und sanierten Bänke und macht damit die gestalterischen und technischen Entscheidungen nachvollziehbar.
Videos
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