102 Obstschale
Regierungsviertel, Frauenfeld, Schweiz
2024 - Wettbewerb
Konzept
Ein Projekt mit Oliver Frey
Eine große, runde Obstschale aus Bronze bestimmt den Eingangsplatz vor dem neuen Verwaltungsgebäude. Ihre Befüllung symbolisiert erfolgreiche Verwaltungsprozesse: Zu Beginn leer, füllt sich die Schale im Verlauf der Prozesse und steht am Ende üppig gefüllt für Qualität und Verlässlichkeit. Sie nimmt Bezug zur Thurgauer Obstgarten-Kulturlandschaft, deren Produkte wirtschaftliches, kulturelles und gesellschaftliches Gedeihen verkörpern. Obst und Früchte sind hier Sinnbild für eine Verwaltung, die nachhaltige Strukturen für die Menschen in der Region schafft – vergleichbar mit den Stillleben von Adolf Dietrich.
Die Obstschale steht in engem Bezug zu den Bronzegussarbeiten von Joélle Allet, Susan Kopp und Brigitte Schneider im Außenraum des Regierungsviertels. Diese Arbeit greift die bestehende künstlerische Konzeption auf und erweitert sie mit der Idee der Üppigkeit. Die Schale vereint Zeitschichten von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und verbindet Kunst, Landschaft und Architektur mit Gesellschaft und Verwaltung. Sie wird so zu einem Symbol für die Beständigkeit und den Wandel gleichermaßen.
Die Schale aus langlebiger Bronze repräsentiert beständige Strukturen – wie die gute Verwaltung selbst. Der Fokus liegt auf einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, bei der hochwertige Rückbaumaterialien aus kantonalen Bauprojekten wiederverwendet werden. Beispiele sind Holzabfälle aus dem Staatswald, Fassaden-Mock-Ups des Verwaltungsgebäudes oder Bausubstanz aus der Erneuerung des Kunstmuseums Thurgau. Diese Materialien werden in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern, Behindertenwerkstätten und Künstlern verarbeitet.Jede neue Frucht in der Schale steht für einen erfolgreich abgeschlossenen Zyklus. Die Geschichte der Materialien wird durch ihre Transformation weitererzählt. Gleichzeitig macht die Befüllung der Schale die Prozesse einer funktionierenden Verwaltung anschaulich und greifbar.
Die gute Verwaltung sichtbar machen
Die Obstschale wird zuerst erstellt, während ihre Befüllung in direkter Abhängigkeit von der Verfügbarkeit und Qualität der Re-Use-Materialien steht. Ein Teil der Erstellungskosten fließt in die Abläufe zur Sichtung, Sortierung und Verarbeitung der Materialien. Die reiche Befüllung ist Ergebnis einer effizienten und sozial nachhaltigen Verwaltung.Mit der Zeit wird das Obst vergehen und Spuren der Witterung tragen, während die Schale als beständiges Element bleibt – ein bleibendes Symbol für die gute Verwaltung.
Der Entwurfsprozess
In einer intensiven Auseinandersetzung zum Thema „Gute Verwaltung“ stand anfangs die Idee eines transformierten Objektes, eines Ordners, der ikonografisch für ein verstaubte, alte Verwaltung steht. Dieser wird popartig, begehbar, sehr gross zu einer Karikatur seiner selbst. Dieses doch sehr negativ behaftete Bild wollten wir in etwas Positiveres wenden. Ordnung und Chaos als Garten, der verwaltet werden muss. Einen Verwaltungsreiz wollten wir mit wild wachsenden Pflanzen auslösen und heraus finden, ob die Verwaltung mutig genug wäre, um sich einem Bewirtschaftungs- und Verwaltungsprozess zu stellen. Dabei spielen hochwertige Materialien und elementare Elemente wie Wasser, Licht, Klang und Raum immer eine zentrale Rolle, um alle Sinne des Menschen mit dieser Arbeit anzusprechen.
Ein Werte-Turm gäbe es auch, als fertigen Entwurf zur Sichtbarmachung transformativer Verwaltungsprozesse.
Uns wurde klar, dass die Arbeit einen Akt der Verwaltung, also etwas prozesshaftes mit sich bringen müsste. Mit Menschen, etwas soziales, etwas zum Mitmachen, was nicht von Verwaltung-Seite vorgegebenes. Als Gegensatz dazu steht hier die Schale. Der Rest ist von Kosten, Menschen, Engagement und zukünftigen Möglichkeiten abhängig.
Team
Bauherr
Stadt Thurgau Kantonales Hochbauamt Thurgau
Kunst und Bau, Ergänzungsbau Regierungsgebäude Frauenfeld
Ideenwettbewerb für die künstlerische Gestaltung zum Thema „Die gute Verwaltung“
Konzept Obstschale
Winfried Schneider & Oliver Frey
Pläne Wettbewerb
Prozess
Ein Verwaltungsprozess als räumliche Erfahrung
Im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Gute Verwaltung entstand zunächst die Idee eines transformierten Objektes. Ausgangspunkt war der Ordner als ikonografische Referenz an eine verstaubt wahrgenommene Verwaltung. Dieses Objekt wurde popartig überzeichnet, begehbar und in eine Maßstäblichkeit überführt, die es zur Karikatur seiner selbst werden ließ. Das damit verbundene negative Bild erwies sich jedoch als zu eindimensional und wurde in eine konstruktivere Richtung weiterentwickelt.
An die Stelle des Objektes trat das Verständnis von Ordnung und Chaos als ein Garten, der verwaltet werden muss. Wild wachsende Pflanzen erzeugen einen gezielten Verwaltungsreiz und stellen die Frage, ob die Verwaltung bereit ist, sich einem offenen Bewirtschaftungs und Verwaltungsprozess zu stellen. Wasser, Licht, Klang und Raum bilden dabei die elementaren Bestandteile der Arbeit und strukturieren eine Wahrnehmung, die alle Sinne einbezieht.
Parallel dazu existiert ein ausgearbeiteter Entwurf eines Werte Turms, der die Sichtbarmachung transformativer Verwaltungsprozesse thematisiert.
Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass die Arbeit selbst einen Akt der Verwaltung beinhalten muss. Im Zentrum steht daher ein prozesshafter Ansatz, der auf Beteiligung, soziale Dynamik und Mitwirkung ausgerichtet ist. Der Ablauf wird nicht vorgegeben, sondern entwickelt sich aus Engagement, Ressourcen, Akteurinnen und Akteuren sowie zukünftigen Möglichkeiten. Als räumlicher Gegenpol fungiert die Schale, die als stabile Setzung den Rahmen definiert.